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04.12.2019

Bildungscampus vor finalem Schub

Wenn sich der Rat am Freitag, 13. Dezember, über den Ankauf der restlichen Fläche der Wentworth-Kaserne einigt, wäre der Weg für die weitere Entwicklung frei – und die ist mehr als vielversprechend.

2019-12-04_NW_Playmobil
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Herford. Am letzten November-Montag einigten sich Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) und Stadtentwicklungsgesellschaft Herford (SEH) über den Ankauf für die Restfläche der Wentworth-Kaserne. Stimmt der Rat in nicht öffentlicher Sitzung am Freitag, 13. Dezember zu, kann das Finale für die 6,4 Hektar große Entwicklungsfläche des Bildungscampus eingeläutet werden. „Es stehen für diese Fläche konkrete Nutzer parat und auch Interessenten, die ihre Absicht bekundet haben“, sagt SEH-Geschäftsführer Jan Miller.

FACHHOCHSCHULE FÜR FINANZEN (FHF) UND KRANKENPFLEGESCHULE

Nach der Fachhochschule für Finanzen (FHF) mit mehr als 500 Studierenden und Lehrenden als erstem Mieter wird auf dem hinzu gewonnenen Areal eine Pflegeschule für das Klinikum Herford, das Lukas-Krankenhaus Bünde und das Bad Oeynhausener Herz- und Diabeteszentrum mit 300 Ausbildungsplätzen den Bildungscampusweiter beleben.

FACHHOCHSCHULE DES MITTELSTANDES

Doch dabei bleibt es nicht. Fest steht, dass der Kreis Herford zum 1. Oktober 2020 in die Hebammen-Ausbildung einsteigen will, um damit dem bestehenden Mangel in diesem Berufszweig entgegenzuwirken. Derzeit laufen die Verhandlungen über eine entsprechende Vereinbarung mit der Fachhochschule des Mittelstandes. Zehn Ausbildungsplätze sollen entstehen.

LANDESBETRIEB WALD UND FORST

Ebenfalls weit vorangeschritten sind die Gespräche mit dem Landesbetrieb Wald und Forst, der bislang einen Hauptsitz für OWL in Minden sowie eine Niederlassung im lippischen Lage unterhielt. Beide Standorte sollen auf einer Freifläche des Bildungscampus zusammengeführt werden. Nach NW-Informationen geht es nur noch darum, ob diese neue und ausschließlich aus Holz bestehende Zentrale vom Landesbetrieb selbst gebaut wird, oder ob beispielsweise die WWS Herford als Bauherr und Vermieter auftritt. Die Rede ist von 50 bis 80 Arbeitsplätzen bei dieser NRW-Behörde.

FACHSCHULE FÜR AGRARWIRTSCHAFT

Nächster Interessent ist die Fachschule für Agrarwirtschaft, die derzeit in Gebäuden des Kreises Herford an der Ravensberger Straße untergebracht ist. Bekannt ist, dass diese Immobilie stark sanierungsbedürftig ist. Bekannt ist auch, dass die Verantwortlichen am Standort Herford festhalten wollen. Mit dem Bildungscampus steht eine Alternative zur Diskussion. Wie es heißt, stünden zielführende Gespräche zeitnah an.

PRIVATER ANBIETER FRESENIUS-SCHULEN

Letztlich haben auch die Fresenius-Schulen ihre Fühler gen Herford ausgestreckt. Mit mehr als 100 Ablegern in 35 Städten zählt dieser private Bildungsanbieter zu den Platzhirschen in Deutschland. Angeboten werden Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen Therapie und Wellness, Pflege und Pädagogik, Medizin und Labor, Wirtschaft sowie Technik. Dem Vernehmen nach sollen die Verhandlungen mit der SEH weit gediehen sein. Deutlich sei aber auch, dass Fresenius kurzfristig Raumbedarf habe. Weil der auf dem Bildungscampus so schnell nicht zur Verfügung gestellt werden könne, suchte (und fand) der Bildungsanbieter nach einer Übergangslösung in der Herforder City. Mit einem Vertragsabschluss werde, wie es heißt, noch vor dem 3. Advent gerechnet.

WEITERE INTERESSENTEN

Weitere Interessenten hätten sich angesagt, so der SEH-Geschäftsführer, der den aktuellen Sachstand auf keiner Ebene kommentieren möchte. Jan Miller nennt aber seinen Anspruch: „Wir wollen die Ansiedlungs-Dynamik nicht abreißen lassen.“ Womit auf die Stadt und die SEH unweigerlich weitere Aufgaben warten.

DIE FOLGEN DES AUSBAUS

Was etwa die Versorgung der Beschäftigten, Schüler und Studierenden angeht. Die ehemalige Offiziersmesse an der Liststraße ist schon jetzt im Zweischichtbetrieb und komplett ausgelastet. Und spätestens mit dem Einzug der ersten Krankenpflege-Schüler zum kommenden Schuljahr in der bis dahin übergangsweise wieder hergestellten ehemaligen Lister-School der Briten (die NW berichtete) stellt sich die Frage nach zusätzlichem Parkraum. Diese Antwort soll ein Parkhaus in Nähe der Vlothoer Straße geben. Die Stadtverwaltung hatte für diese Pläne bereits ein Modell ausgearbeitet, bei dem eine Linksabbiegespur auf der Vlothoer Straße zum Parkhaus vorgesehen war. Dafür hätten allerdings Bäume gefällt werden müssen, was den BUND um dessen Kreissprecher Bernd Meier-Lammering auf den Plan rief. Jetzt bleiben die Bäume stehen. „Wir werden die Verkehrsentwicklung beobachten und gegebenenfalls eine Lichtzeichenanlage installieren“, sagt Beigeordneter Peter Böhm.

WIE SICH DIE POLITIK POSITIONIERT

Noch liegen den Fraktionen die Unterlagen zum Kaufvertrag für das restliche Areal der Wentworth-Kaserne nicht vor. Im Vorfeld wird aber deutlich, dass die Rats-Politiker den bislang eingeschlagen Weg weiter verfolgen wollen. Wolfgang Rußkamp (CDU): „Wichtig ist, dass die Stadt den Bildungscampus selbst entwickeln kann. Deswegen Sind wir für den Kauf. Es muss aber sichergestellt sein, dass auch private Investoren zum Zuge kommen.“

Horst Heining (SPD): „Die SPD-Ratsfraktion ist erfreut, dass sich die Situation auf dem Bildungscampus zunehmend zu einer Erfolgsstory entwickelt. Immer mehr Interessenten wollen sich auf dem Gelände der ehemaligen Wentworth-Kaserne ansiedeln, so dass langsam der Platz ausgeht. Deshalb begrüßen wir die Initiative der Stadt, auch die restlichen Flächen der Wentworth-Kaserne anzukaufen, um weitere Entwicklungsflächen zu generieren. “Angela Schmalhorst (Bündnis-Grüne): „Grundsätzlich unterstützen wir den Kauf, weil es für das Gebiet relativ viele Anfragen gibt und schon etliche Institutionen ihr Interesse angemeldet haben. Für den Kauf müssen allerdings die Konditionen stimmen.“ Nach Information der NW geht es beim Kaufpreis um eine Summe im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Quelle: Neue Westfälische

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